Die Rolle der kambodschanischen Frau in der Gesellschaft

Nachdem hier schon viel über die Armut, Verarmungsgefahr und Prostitutionsproblematik kambodschanischer Frauen geschrieben wurde, hier nun ein paar allgemeine Fakten und Zahlen zu Alltag und Rolle kambodschanischer Frauen: Während noch vor fünfzehn Jahren das traditionelle Rollenbild der drei klassischen K (Küche, Kirche, Kinder) die kambodschanische Gesellschaft dominierte, trat vor zehn Jahren ein langsamer Veränderungsprozess ein.

Während Rollenbild und Verteilung der Aufgaben innerhalb von Familien häufig noch sehr traditionell sind, sind Frauen jedoch in den Schulen, den Universitäten und auch in der Berufswelt so angekommen, dass sie zumindest offiziell und theoretisch die gleichen Möglichkeiten haben. Theoretisch, da die Situation in ländlichen Gegenden noch sehr stark von der in den Städten abweicht und manche schulpflichtigen Mädchen von den Eltern auch einfach Zuhause behalten werden um im Haushalt zu helfen etc.

Und auch in religiöser Hinsicht ist eine Gleichstellung noch nicht ganz so nah wie im Alltäglichen: Hier haben sich alte Traditionen durchgesetzt, die sich so schnell nicht ändern lassen wie der Glaube, dass Frauen keine heiligen Gegenstände berühren dürfen. Laut kambodschanischem Aberglaube wird ein heiliger Gegenstand durch die Berührung einer Frau entweiht und ein Unglück geschieht.

Und auch der allgemeine Sprachgebrauch zeigt – wie im Deutschen ja  auch (beispielsweise mit der positiven Konotierung von herrlich und der negativen von dämlich) noch einige alte Denkmuster und Vorurteile: Im kambodschanischen vergleicht man Männer mit Diamanten und Frauen mit Knäuel von Wolle. Um das Bild zu verstehen: Macht ein Mann etwas nicht gesellschaftskonformes kann man ihn schleifen wie einen rohen Diamant, verstößt eine Frau gegen Regeln oder Sitten bleibt der Dreck an ihr kleben.

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One comment on “Die Rolle der kambodschanischen Frau in der Gesellschaft
  1. Arne says:

    Schöner Post, danke. Nicht vergessen sollte man, dass der Islam in den Ländern Ostasiens auf dem Vormarsch ist. Nichts gegen den Islam. Ich bin nur gespannt, ob die Rolle der Frau sich zumindest bei Angehörigen dieser Religionsgruppe dann ähnlich wie in Saudi-Arabien entwicklen wird oder wie in moderateren Ländern wie z.B. der Türkei. Man sieht jedenfalls schon eine Menge Kopftuchmädchen in Kambodscha, um mal den Berliner Ausdruck dafür zu verwenden. Wie gesagt: wir respektieren den Islam und den Glauben an Allah sehr, wir wünschen uns aber mehr Bildungsmöglichkeiten auch für islamisch aufwachsende Mädchen (die jungen nicht vergessen) und später mehr Aufstiegschancen für muslimische Frauen. Was den genannten Vergleich betrifft. Das verhält sich in Cambodia genau umgekehrt nach unserer Erfahrung. 😉

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